24.03.25

Smarte Zisternenlösung: Wie in Leonberg ein Bauwerk Regenwasser speichert, Grünflächen bewässert und Raum für Freizeit schafft

Wasser ist in der Stadtplanung eine wertvolle Ressource – und gleichzeitig eine Herausforderung. Besonders in Zeiten zunehmender Starkregenereignisse und heißer Sommer müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, die sowohl Überschwemmungen verhindern als auch die Wasserversorgung von Grünflächen sichern. Im neuen Stadtgarten in Leonberg entsteht ein Bauwerk, das genau das leistet: eine smarte Zisterne, die Regenwasser aus dem benachbarten Postareal aufnimmt und speichert, um es für die Bewässerung des Stadtgartens zu nutzen. Darüber hinaus wird sie als gestalterisches Element in die Freiraumplanung integriert ist.

Von der ursprünglichen Planung zur multifunktionalen Lösung

Ursprünglich waren für die Entwässerung des angrenzenden IBA’27 Projekts »Postareal Leonberg« Rigolen vorgesehen. Rigolen sind unterirdische Schichten aus Kies oder Kunststoffmodulen, die als Zwischenspeicher dienen und das Wasser kontrolliert in das Kanalnetz der Stadt abgeben. Doch mit der Planung des benachbarten Stadtgartens kam eine neue Idee auf. Warum nicht das anfallende Wasser gezielt sammeln und sinnvoll einsetzen? Von Beginn an war für den Park eine kleine Zisterne eingeplant, die für die Bewässerung der Grünflächen genutzt werden sollte. Durch eine Weiterentwicklung des Konzepts entstand schließlich eine Lösung, die mehrere Funktionen miteinander verbindet: Die Zisterne übernimmt nicht nur die Regenwasserspeicherung und -nutzung, sondern wird gleichzeitig als Retentionsspeicher für das Postareal genutzt. 300.000 Liter Wasser können dort aufgefangen und zur Bewässerung des Stadtgartens und der Grünflächen im Postareals verwendet werden. Über smarte Systeme kann das Wasser bei Bedarf abgeleitet werden, etwa wenn sich ein Starkregenereignis ankündigt. Die Technik hierfür wird neben der Zisterne verbaut. Die Zisterne bietet Retentionsvolumen für die Stadt Leonberg, das weit über das für das Postareal geforderte Maß hinausgeht.

Möglich wurde diese innovative Lösung durch die enge Zusammenarbeit des Stadtplanungsamtes der Stadt Leonberg, des Projektentwicklers STRABAG Real Estate GmbH, der bhmp Planungsgesellschaft gemeinsam mit der IBA’27. So entstand aus einer konventionellen Entwässerungslösung ein Konzept, von dem sowohl der Stadtgarten als auch das Quartier profitieren.

Intelligentes Wassermanagement für extreme Wetterlagen

Besonders an diesem Konzept ist die intelligente Steuerung der Wassermengen. Bei Trockenheit bleibt das gespeicherte Regenwasser für die Bewässerung der Grünanlagen erhalten. Droht ein Starkregenereignis, kann die Zisterne kontrolliert Wasser ablassen, um zusätzlichen Speicherplatz für neue Niederschläge zu schaffen. So wird einerseits sichergestellt, dass die Grünflächen nicht unter Wassermangel leiden, und andererseits verhindert, dass Starkregen zu Überflutungen führt. Ein speziell angelegter Starkregenentlastungskanal sorgt zudem dafür, dass überschüssiges Wasser aus der Zisterne sicher abgeleitet wird. Dadurch werden sowohl das Postareal als auch die angrenzende Wohnbebauung geschützt.

Mehr als ein technisches Bauwerk – ein Gewinn für den Stadtgarten

Ein weiteres Merkmal der Anlage ist ihre Integration in die Freiraumgestaltung des Stadtgartens. Die Zisterne wird nicht als rein technisches Bauwerk umgesetzt, sondern schafft durch ihre Gestaltung zusätzlichen Nutzen für die Menschen. Die Höhenunterschiede im Stadtgarten werden durch mehrere Terrassen überwunden. Dabei spielt die unterste Stufe gleichzeitig eine wichtige Rolle im Be- und Entwässerungssystem. Eine Boulderwand und eine Spielfläche werden in das Bauwerk integriert und machen es zu einem lebendigen Element des Parks. Auch über die Rutsche an der Seite können Kinder den Höhenunterschied spielerisch überwinden. Über die Zisterne wird auch der barrierefreie Weg von der Bahnhofstraße zum Layher-Areal führen, sodass es möglichst wenig Höhenunterschied gibt. Oberhalb der Zisterne entstehen auf weiteren Terrassen Wege zum Postareal und ein Kinderspielplatz.

Ein Modell für die Zukunft

Dieses Projekt zeigt, wie sich technologische Innovationen mit ökologischen und sozialen Aspekten verbinden lassen. Die intelligente Zisterne trägt dazu bei, Wasser ressourcenschonend zu nutzen, das Stadtbild zu bereichern und gleichzeitig die Infrastruktur an klimatische Veränderungen anzupassen. Zugleich ist sie ein Beispiel dafür, wie erfolgreiche Stadtentwicklung nur durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure gelingen kann – in diesem Fall durch das Zusammenspiel von Stadtverwaltung und Projektentwickler. So kann eine durchdachte Stadtplanung nachhaltige Lösungen schaffen, die nicht nur funktional, sondern auch lebenswert sind.

Baustelle der Zisterne. Bild: Stadt Leonberg

Thea Leisinger / IBA’27-Team

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